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Tausendjähriges Przemyśl

Tausendjähriges Przemyśl

Przemyśl

Das fruchtbare Tal des Flusses San – besonders die Stelle, wo das Tal von Sandomierz an die Karpaten stößt – lud die Menschen seit Jahrtausenden ein, sich niederzulassen. Dort errichtete der zu den Westslawen gerechnete Stamm Lendzini an einer Kreuzung wichtiger Handelsrouten eine Wehrburg. Der Chronist Jan Długosz zitierte eine Legende, wonach die Stadt im 7. Jahrhundert von einem Przemysław, dem Führer dieses Stammes, gegründet und nach ihm benannt wurde. Nachdem Kleinpolen vom Großmährischen Reich erobert worden war, lag wohl auch Przemyśl in dessen Machtbereich. Im ereignisreichen 10. Jahrhundert kam auch eine ungarische Armee hierher. „Offiziell“ betrat Przemyśl die Bühne der Geschichte im Jahr 981 mit einer Erwähnung in der Chronik Nestors von Kiew: „Im Jahr 6489 (981) zog Wladimir gegen die Lechen und eroberte ihre Burgen Przemyśl, Czerwień und weitere.“


Das damals von den Ruthenen eingenommene Przemyśl wurde 1018 von Bolesław dem Tapferen für Polen zurückerobert. Aus der Herrschaftszeit der ersten Piasten sind einzigartige Relikte von Steingebäuden erhalten, die auf dem Schlosshof ausgestellt sind. Die am strategisch wichtigen „Tor von Przemyśl“ gelegene Festung war für Herrscher und Fürsten in diesem Teil Europas eine begehrte Beute. Das viele Male angegriffene Przymyśl ging von Hand zu Hand; erobert wurde es u. a. von Ruthenen und Ungarn, für einige Jahrzehnte wurde es sogar Hauptstadt eines eigenen ruthenischen Fürstentums. Jan Długosz schrieb in seinen Chroniken:

„Die Stadt, an deren Nordseite der Fluss San vorbei floss, war damals mächtig, hatte eine große Zahl einheimischer und zugezogener Bürger. Sie war mit Waffen jeder Art gerüstet, hatte tiefe Gräben und Befestigungen beträchtlicher Höhe.“

1340 verleibte König Kasimir der Große Przymyśl wieder Polen ein und ließ auf einem Berg, der über der Stadt aufragte, eine gotische Burg errichten. Seitdem blieb Przemyśl bis zu den Teilungen treu bei Polen – mit einer kurzen Unterbrechung von wenigen Jahren während der Herrschaft Ludwigs von Anjou, König von Ungarn und Polen. In einer Urkunde von 1389 erklärte König Władysław Jagiełło:

„Da wir unsere Stadt Przemyśl sorgsam zu mehr Wohlstand führen wollen, damit sich unter unserer Herrschaft ihre Entwicklung glücklich mehre, überführen wir das Recht, unter dem sie ursprünglich gegründet wurde, in das deutsche, so genannte Magdeburger Recht.“

Schon im 15. Jahrhundert tauchte im städtischen Siegel der schreitende Bär mit einem Kreuz darüber auf, den die Stadt bis heute im Wappen führt. Im Mittelalter symbolisierte der Bär, der Herrscher der europäischen Urwälder, Stärke, Tapferkeit und Unnachgiebigkeit gegenüber Feinden.

Przemyśl im Goldenen Zeitalter

Przemyśl - Zamek

Władysław II., der Gründer der Jagiellonen-Dynastie, stiftete am Fuße des Schlossbergs eine gotische Kathedrale. Die Stadt war Sitz zweier Bistümer.
 

Die folgenden polnischen Könige sorgten für die weitere Entwicklung von Przemyśl. Es entstanden neue weltliche und sakrale Bauten, Neusiedler aus dem In- und Ausland ließen sich nieder, zahlreiche

Ordensgemeinschaften und Handwerkerzünfte wurden gegründet. Die Bürger von Przemyśl wussten die Lage der Stadt zu nutzen und gelangten mit Handel zu Wohlstand. Kaufleute errichteten prächtige Häuser mit Warenlagern, die noch heute an drei Zeilen des einzigartigen, geneigten Marktplatzes zu sehen sind.

Das 16. Jahrhundert war ein goldenes Zeitalter in Polen und auch in Przemyśl. Damals begann man in der Stadt mit dem Bau mächtiger Wehrmauern mit Basteien und drei Toren. Ein Beispiel für den Wohlstand von Przemyśl und seinen Bewohnern – Polen, Ruthenen, Deutschen und Juden – waren das von ihnen errichtete, imposante Rathaus sowie die Wasserleitung. Auch die erhaltenen Kirchen der Karmeliter, Jesuiten, Reformaten und Franziskaner zeugen von der einstigen Bedeutung der Stadt.

Das Zentrum der ausgedehnten Region Przemyśl zählte zu den größten und reichsten Städten Polens. Das Land war reich an Wäldern, Wild, fruchtbaren Böden und besonders auch an Salz, dem wertvollsten Schatz der Gegend. Die berühmtesten Adelsgeschlechter hatten hier ihren Sitz: Die Familien Herburt, Kmita, Krasicki, Wapowski, Korniakt, Fredro, Drohojowski, Orzechowski und Tarnowski.

Przemyśl in Gefahr

Den Bewohnern der Region Przemyśl und ihres Zentrums waren jedoch auch die Sorgen nicht fremd, mit denen sich ganz Polen im 17. Jahrhundert plagte. Durch diese Gegend zogen plündernd Walachen, Tataren und Kosaken sowie die Raubzüge fremder Heere. Auch Brände, Überschwemmungen und Epidemien machten den Bewohnern von Przemyśl zu schaffen. Ähnlich wie ganz Polen ging Przemyśl im 18. Jahrhundert dem Verfall entgegen. Doch auch in diesem Jahrhundert – nicht dem besten in der Stadtgeschichte – schafften es die Bewohner noch, einige heute historisch bedeutsame Gebäude zu errichten oder umzubauen.

Mit der ersten Polnischen Teilung 1772 wurden die Bewohner für ganze 146 Jahre ihrer Zugehörigkeit zu Polen beraubt. Die Gegend fiel an die Österreicher, die auf den Polen geraubten Gebieten die neue Provinz Galizien gründeten. Sie befahlen auch, fast die gesamten Stadtmauern, das Rathaus und einige Kirchen abzureißen. Die Stadt wurde sogar an private Hände verkauft, doch nachdem die Einwohner intervenierten, gab Kaiser Josef II. Przemyśl 1789 seinen Status als freie Stadt zurück.

Przemyśl – die große Festung

Festung Przemyśl

Die Österreicher wussten die strategische Lage von Przemyśl zu schätzen und beschlossen, eine mächtige Festung zu bauen. Die ersten Befestigungsarbeiten erfolgten 1854. Von 1878 wurde praktisch bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs am Bau und der Modernisierung der Forts und Feldbefestigungen gearbeitet. Auf den Hügeln rings um Przemyśl legten die Österreicher so eine der größten Festungsanlagen Europas an. Sie hatte die Aufgabe, die aus dem Osten anrückende russische Armee aufzuhalten. Die mit zwei Festungsringen umgebene Stadt erlebte eine zweite Blützeit. Przemyśl erhielt eine Bahnverbindung mit Krakau, Lemberg und Budapest. Es entstanden neue Repräsentationsbauten, Kasernen und Krankenhäuser, Hotels, imposante Stadthäuser und Villen, Industriebetriebe und Flugplätze. Die Einwohnerzahl der Stadt stieg gewaltig an.


Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, am 26. September 1914, wurde die von über 120.000 Soldaten der österreich-ungarischen Armee verteidigte Festung Przemyśl von doppelt so starken russischen Einheiten völlig umstellt. Trotz Artilleriebeschusses und den verbissenen Erstürmungsversuchen der Infanterie konnten die Russen kein einziges Fort erobern; zehntausende von ihnen wurden getötet, verwundet oder gefangen genommen. Die zweite Belagerung der Festung Przemyśl dauerte vom 8. November 1914 bis zum 22. März 1915. Diesmal umstellten die Russen die Festung und warteten darauf, dass deren Vorräte erschöpft waren. Mangelnde Versorgung und die sinkende Moral der Verteidiger veranlassten die Festungsführung schließlich zur Kapitulation. Vor dem Einmarsch der Russen wurden die Forts, Brücken und Geschützstände gesprengt. Nach dem Verlust des „Tors zu Ungarn“, wie Przemyśl an der Donau genannt wurde, beschlossen die Österreicher, es zurückzuerobern. Nach einer dritten Belagerung nahmen vereinte österreich-ungarische und deutsche Kräfte Anfang Juni 1915 die Ruinen der Forts ein.

Przemyśl spielte in den Kämpfen zwischen den europäischen Großmächten eine wichtige Rolle. Historiker zählen die Schlachten um die Festung Przemyśl zu den größten des 20. Jahrhunderts in Europa. Die Ruinen der mächtigen Forts, aber auch die Soldatenfriedhöfe locken viele Touristen und „Festungsfreunde“ aus dem In- und Ausland nach Przemyśl. Durch Jaroslav Hašeks Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ ging Przemyśl gar in die Weltliteratur ein: Im Juli 1915 erlebte Josef Schwejk hier einige seiner Abenteuer.

Przemyśl in der jüngsten Geschichte

Als die Habsburger-Monarchie in ihren Grundfesten erschüttert wurde, begannen die Bewohner von Przemyśl nach dem Vorbild der Lemberger, um den polnischen Charakter ihrer Stadt zu kämpfen. Am 11. November 1918, nach kurzen polnisch-ukrainisch Kämpfen den Straßen der Stadt, war Przemyśl wieder frei. Die jüngsten der im November und Dezember 1918 Gefallenen wurden „Adlerjungen von Przemyśl“ genannt. In den Zwischenkriegsjahren war Przemyśl nach Krakau und Lemberg die drittgrößte Stadt in diesem Teil des Landes. Hier war eine große Garnison der Polnischen Armee stationiert, deren Soldaten im September 1939 aktiv an der Verteidigung der Heimat beteiligt waren.

Der Zweite Weltkrieg war ein tragisches Kapitel in der Geschichte von Przemyśl. Ende September 1939 wurde der San zur Grenze zwischen den beiden Invasoren. Die Stadt teilte das Schicksal des besetzten Landes. Die Deutschen blieben in Zasanie, die Alt- und Innenstadt wurde zur Beute der Sowjets, die bald viele polnische Familien von hier in Lager deportierten. Die Besatzer bauten in der Stadt viele Bunker der Molotow-Linie. Im Juni 1941, während des deutschen Angriffs auf die UdSSR, lieferten sich die ehemaligen Verbündeten Kämpfe auf den Straßen. Schwerer Artilleriebeschuss legte ganze Viertel mit Bürgerhäusern in Schutt und Asche, darunter auch historische Gebäude; viele Einwohner kamen ums Leben. Nachdem sie die ganze Stadt erobert hatten, ermordeten die Nazis bei Massenexekutionen und in Vernichtungslagern fast die gesamte jüdische Bevölkerung von Przemyśl.

Das Ende der deutschen Besatzung im Juli 1944 brachte der Stadt und ihrer Umgebung nicht den ersehnten Frieden. Die Region Przemyśl wurde künstlich durch eine neue „Freundschaftsgrenze“ mit der Sowjetunion zerschnitten. In unmittelbarer Nähe von Przemyśl dauerten Kämpfe mit ukrainischen Nationalisten an. Die ukrainische Bevölkerung wurde mehrheitlich in die UdSSR oder die Wiedergewonnenen Gebiete ausgesiedelt. In Przemyśl und Umgebung siedelten sich Polen an, die aus ihren Häusern in den alten polnischen Ostgebieten, die an die sowjetische Ukraine fielen, vertrieben worden waren.

Die kommunistische Regierung reduzierte Przemyśl auf die Rolle einer wenig bedeutenden Kreisstadt, deren Entwicklung durch ihre Grenzlage gebremst wurde. Die Situation der Stadt verbesserte sich ein wenig, nachdem sie 1975 in den Rang des Sitzes einer Woiwodschaft erhoben wurde. Nach der letzten Verwaltungsreform und der Auflösung der Woiwodschaft Przemyśl wurde sie zur kreisfreien Stadt.